Erlebnis in Hovden – Das Jernvinnemuseum über Torferz
Eisenhüttenmuseum in Hovden - Reise in Torferzgewinnung der Wikingerzeit
Klein und unscheinbar liegt das Jernvinnemuseum in Hovden am Ufer des Otra. Mit einem Code, den wir am Kiosk von Hegni Badeplatz erhalten, öffnen wir die Tür zu dem Eisenhüttenmuseum - einem Wikingermuseum vom Setesdalsmuseum.
Das Museum wurde über einer Eisenabbaustätte aus der Wikingerzeit errichtet. Archäologen haben die Anlage rekonstruiert und den Prozeß nachgestellt. Dieses ist ein Selbstbedienungsmuseum und nehmen Sie an einer audiovisuellen Führung teil. So erfahren wir über eine Info-Tafel am Wikinger-Lehrpfad. Zu sehen ist erst einmal nicht viel – ein scheinbar leerer Raum – der sich aber bald mit Leben erfüllen wird und uns mit spannenden Licht-, Ton- und Geräuscheffekten in eine Stimmung versetzt, die uns leicht 1000 Jahre vergessen lässt.

„Sie können mich nicht sehen, weil ich seit 1000 Jahren tot bin“ - so ertönt die Stimme des Erzählers im Eisenmuseum von Hovden, nach dem wir die deutsche Sprache auswählen konnten und gespannt warten, was passiert.
Torf stechen und rösten
Jetzt sind wir draußen im Moor und graben und so langsam nähern wir uns auch dem Eisen. Zuerst stechen wir mit einer Ramme in den Torf, um zu sehen, ob er auch Torferz enthält. Wenn du dabei auf Torferz stößt, ist es wie wenn du in einen feinen Kies stichst. Und dann muss man nur noch die oberste Torfschicht entfernen und die rotbraunen erzhaltigen Torfstücke stechen. Die legen wir vorläufig zum Trocknen an den Rand des Moors. Später im Sommer kommen wir wieder ans Moor und holen den getrockneten Torf.

Das Torferz ist jetzt reif zum Rösten. Wir zünden ein Feuer an und legen den trockenen Torf darauf. Der Torf und alle Pflanzenreste sollen verbrennen - so reinigen wir es also. Das, was übrig bleibt, ein rotbraunes, grieseliges Pulver, schaffen wir zum Schmelzen in unsere Verhütungsanlage. Du stehst gerade vor so einer. Freilich stehen jetzt nur noch ein paar Reste von den Erdwällen.
Holzkohle gewinnen

Wir wollen nie vergessen, wie wir da geschwitzt haben. Aber ohne Kohlegruben kein Holzkohle und ohne Holzkohle kein Eisen. Ein Glück, dass auch diese Arbeit einmal ein Ende hat. Wenn das Holz richtig trocken war, füllten wir die Meilergrube und deckten sie dann ganz mit Torf zu.
Der Torf sollte die Luft abschließen, damit das Holz zu Holzkohle wurde und nicht nur ein großes Lagerfeuer gab. Deswegen mussten wir auch tagelang Wache schieben an der Meilergrube - manchmal zwei Tage lang. Bist du dabei eingeschlafen, dann konnte es leicht passieren, dass der Torf Feuer fing und du beim Aufwachen ein lustiges Lagerfeuer vor dir hattest. Damit hast du dir keine Freude gemacht, das kann ich dir sagen. Hier vor der Hütte siehst du, wie unsere Kohlegruben ausgesehen haben. Wenn du dir diese Formen eingeprägt hast, wirst du überall im Gelände und Boden solche Kuben wiederfinden.
Torferz schmelzen

Nun ist Kohle und Erz in der Hütte, der Schmelzofen hier innen heizt uns mächtig ein. Er ist aus Steinplatten gebaut, die wir mit Lehm verschmiert haben. Unser Ofen ist mit Erde isoliert und mit zwei Blasebälgen ausgerüstet, um noch höhere Temperaturen zu bekommen. Kannst du hören, wie die Luft durch die Blasebälge fallt? Einer von uns musste ständig die Bälge treten und der andere füllte Kohle und Torferz in den Ofen.
Nach ein paar Stunden war die Temperatur auf 12 bis 1300 Grad gestiegen. Es war eine fürchterliche Strapaze, bei dieser Hitze zu arbeiten. Bei einer bestimmten Temperatur sind zuerst die Verunreinigungen im Erz geschmolzen, sie sind glühend heiß durch ein Loch unten am Ofen herausgelaufen und am Boden als Schlacke erstarrt. Schlacke ist nur Abfall, aber im Ofen blieb ein großer Klumpen Eisen zurück.

Auch an den Eisenklumpen hängen natürlich noch Schlackereste, aber die können wir auf den Armbruststeinen hier am Boden abschneiden. Nun sieht es doch wirklich wie Eisen aus. Du kannst mich auf der Zeichnung sehen. Ich halte gerade einen schweren Eisenklumpen wieder zusammen und mein Freund hämmert die letzten Schlackereste ab. Das war ein gutes Stück Arbeit und es ist Zeit geworden, dass wir etwas Handfestes vorzeigen können, nach all den Strapazen.
(Die Wikinger füllten ihre Schmelzöfen mit Schichten aus „geröstem“ Torferz und Holzkohle, die abwechselnd übereinander geschichtet wurden. Mit ihrer Schmelztechnik erreichten sie ebenfalls Temperaturen von 1200-1300 °C.)
Damit hat Hovden uns das gegeben, was seine Wälder zu bieten haben und das war nicht wenig. Nun ziehen wir über Berge und Täler hinunter an die Küste. Auf dem Weg verkaufen wir unser Eisen an Schmiede auf den Höfen und Dörfern rundherum. Die machen daraus Waffen oder Werkzeug oder Nägel und dann wandert das Eisen aus Hovden weiter. Vielleicht auf einem Pflug nach England oder zum Kriegszug in Konstantinopel oder zum Schiffsbau in Norwegen.

Im Schaukasten findest du Beispiele, wozu man in meiner Zeit Eisen verwendet hat. Und daneben kannst du sehen, wie meine Kohlegruben und Hütten heute aussehen. Doch nun ist meine Zeit herum.
Danke, dass du dabei geschaut hast und weiterhin gute Reise im Land der Wikinger.
Hovden – Archäologie und Geschichte Bykle Kommune
(Text von Henrik Wigestrand)
Vor tausend Jahren entdeckten die Wikinger Amerika, eroberten England und waren in ganz Europa berühmt und gefürchtet. Die Hafenstädte an Nord- und Ostsee zitterten vor den nordischen Kriegern in ihren schmalen Langbooten...Geschickte Zimmerleute waren nötig, um die schneidigen Langboote zu bauen, mutige Seefahrer wagten sich weit auf die Weltmeere auf der Suche nach neuen Handelskontakten... und nicht zuletzt waren fleissige Bauern zu Hause in harter Arbeit dabei, unter den rauen Bedingungen des Nordens Getreide anzubauen. Einer der Hauptgründe für die Erfolge der Wikinger war das Eisen, Rohstoff für Werkzeuge und Waffen. Sie gewannen dieses wertvolle Metall aus dem Torferz der Moore und Hovden war damals eines der Hauptzentren der Eisengewinnung. Die Moore dieser Gegend sind reich an Torferz und die Birken- und Föhrenwälder waren sicher unerschöpfliche Rohstofflieferanten für die zur Verhüttung notwendige Holzkohle.
Drehen wir für eine Moment die Zeit um tausend Jahre zurück. Vor unseren Augen sehen wir die Torfdächer von Wikingerhäusern. Rauchfahnen zeugen von einem regen Leben und durch das Tal hört man die Rufe arbeitender Wikinger. Hovden im Jahr 990 n. Chr.
Zwei Männer im Moor
Es ist Sommer in Hovden. Die strahlende Sonne verwandelt den Hartevatn See in einen glitzernden Spiegel. Das Schmelzwasser der Berge fliesst fröhlich gluckernd in kleine und größere Bächen dem Otra-Fluß entgegen und mit ihm ins Meer, dem Meer, das die Wikinger besegeln und beherrschen....

Draußen im Moor sind zwei Männer dabei, Torf zu stechen. Eine schwere Arbeit, die ihnen in der warmen Nachmittagssonne den Schweiß aus den Poren treibt. Dazu sorgen die lästigen Mückenschwärme dafür, dass sie auch nicht einen Augenblick den warmen Sommertag vergessen können. Die Männer schichten schwere, rostigbraune Torfstaücke in der Sonne auf, damit sie während der Sommermonate trocknen können.
So beginnt der Jüngere der beiden zu sagen: Ich frag mich schon die ganze Zeit, wie man auf die verrückte Idee kommen konnte, dass hier in diesem Sumpf Eisen verborgen liegt. Ich meine: Es bietet sich ja wohl keiner so schnell freiwillig hier im Moor den Mücken zum Fraß, wenn er nicht sicher ist, dass dies nützlich und notwendig ist... und man kommt doch kaum durch Zufall darauf, dass man den Torf trocknen muß... dass man dann Bäume fällen und in einem komplizierten Prozeß Holzkohle herstellem muss... dass man den vertrockneten Torf verbrennen muss, um schließlich den wertlosen Rest (der schmeckt nicht, riecht nicht, brennt nicht) noch einmal zusammen mit der Holzkohle auf eine irrsinnige Temperatur zu bringen, ehe man sieht, dass etwas Brauchbares dabei heraus kommt.“
Der Ältere scheint belustigt zu sein über diese Frage, kann er sich gut daran erinnern, wie er sich.... fast das gleiche gefragt hatte..... „Ich habe es von meinem Vater gelernt … wir haben dieses Wissen geerbt über Generationen hinweg...“
Zwei Männer am Kohlenmeiler
Etwas weiter oben graben zwei andere eine große Grube in den steinigen Untergrund. Die Arbeit ist noch anstrengender als unten im Moor .. die beiden schwitzen und stöhnen, während sie mit ihrem Holzspaten mühsam Steine und Lehm ausheben und am Rand der Grube zu einem kleinen Wall aufwerfen.Es ist eine Kohlegrube, die hier entsteht – ca. 3 m im Durchmesser und 0.5 m tief. In der Nähe liegen Birken- und Föhrenstämme bereit, die vor fast einem Jahr gefällt wurden und nun als gutes Rohmaterial für die Holzkohlegewinnung darstellen.

Die zwei Arbeiter stützen sich erschöpft auf ihre Holzspaten. Ihre Grube scheint groß genug zu sein. Nun würden sie sich gern eine Pause gönnen, doch mahnen die aufziehenden Wolken zur Eile. Es könnte Gewitter geben und bis dahin soll der Meiler gefüllt und verschlossen sein.

Einer der beiden Männer bringt nun die trockenen Stämme heran, während der andere sich in die Meilergrube gestellt hat und sorfältig das Holz aufeinander schichtet. Möglichst wenig Hohlraum soll zwischen den Stämmen bleiben, dann gerät die Holzkohle am besten. Zum Schluß, als die Meilergrube bis an den Rand gefüllt ist mit einem stattlichen Berg in der Mitte, haben sie über 3 Kubikmeter Holz aufgeschichtet. Eilig bringen die Männer nun Torfstücke heran, mit denen sie den runden Hügel abdecken..... Immer wieder werfen sie unruhige Blicke gegen den Himmel, wo sich jetzt schwarze Wolkenberge auftürmen. …. Ein letzten Mal kontrollieren sie ihre Arbeit, ehe sie durch eine kleine Öffnung an der Seite ihre Meilergrube in Brand stecken. Die Torfdecke sorgt dafür, dass der schwelende Brand nicht zuviel Luft bekommt.
Zwei Männer am Feuerofen
Es wird zeitig Winter in Hovden. Oft schon im späten September kann der erste Schnee fallen und ein kalter Wind von den Bergen das Arbeiten draußen zu einem frostigen Vergnügen machen. Dann beginnt die Zeit, in der man gerne in der Stube sitzt und einer ruhigen Heimarbeit am warmen Ofen nachgeht. Für unsere Wikinger war dies allerdings nicht immer so angenehm, wie wir uns das vorstellen:

Gerade kommt ein Junge mit einem Sack über der Schulter den schmalen Trampelpfad entlang aus dem Dickicht. Er hat Holzkohle aus dem Versteck geholt und geht zielstrebig auf eine der Hütten zu, aus deren Abzugsloch eine dicke Rauchsäule steigt. Wie um die klare Winterluft so lange wie möglich zu genießen, atmet er noch einmal kräftig durch, ehe er entschlossen eintritt. Drinnen empfängt ihn ein beißender Qualm, der einem sofort Tränen in die Augen treibt. Eine unnatürliche Wärme nimmt ihm fast den Atem, so dass er erst einmal am Türpfosten lehnen muß, dann aber durchquert er mit raschen Schritten den Raum und stellt den Sack neben seinem Vater ab. Dieser kniet auf dem Boden und beginnt sogleich, den Ofen nachzuschüren, der die eine Ecke des Raumes ausfüllt und ohnehin zu glühen scheint. Er misst ca. 1 m im Durchmesser und besteht aus großen Steinplatten, die mit Lehm verkittet sind und eine schier unerträgliche Hitze abstrahlen. Ein zweiter Mann kauert vor dem Ofen und pumpt ständig mit einem Blasebalg Luft in die Glut, um die Temperatur noch zu erhöhen. Nun hat der Schmelzvorgang die kritische Phase erreicht, in der die Schlacke zu schmelzen beginnt und abfließt, während sich das Eisen, das einen etwas höheren Schmelzpunkt hat, am Boden ablagert.

Es gehört einige Erfahrung dazu, damit der Schmelzvorgang den gewünschten Erfolg hat.... Der Mann am Blasebalg wischt sich den Schweiß von der Stirn – nun heißt es nur noch, die Temperatur konstant zu halten.
Das Erbe der Wikinger
us der Schlackemenge kann man in etwa abschätzen, wieviel Eisen in Hovden gewonnen wurden. An einem einzigen kleinen Schmelzofen bei Hovdestoylen fand man ca. 1600 kg Schlacke. Das entspricht etwa einer Menge von 2500 kg Torferz und brachte den Wikingern einen Ertrag von ca. 600 kg Eisen – und dies war nur einer von hunderten solcher Schmelzöfen.

Das Eisen in Hovden ist längst nicht mehr gefragt und die Energiequelle „Holzkohle“ altmodisch geworden. Dass Hovden und Bykle Kommune heute wieder zu den reichsten in ganz Norwegen gehören, haben wir in doppelter Hinsicht dem Erbe der Wikinger zu verdanken.
Wie sie haben wir gelernt, auf die Ressourcen der Natur zu achten und sie für unsere Gesellschaft nutzbar zu machen. Die Wasserkraft – die sauberste Energiequelle unserer Zeit.....