Fahrradtour in der Bucht von Mont-Saint-Michel
Entdeckungstouren Vivier-sur-Mer und Cherrueix
Das schaurige Regenwetter nutzen wir zur Weiterfahrt von Honfleur in die Bretagne. Unser Ziel ist ein Wohnmobil Stellplatz nicht weit vonMont-Saint-Michel in Cherrueix – kaum sind wir angekommen, verflüchtigen sich die Regenwolken und ein schöner Nachmittag lockt schon zur ersten Fahrradtour.

Entlang der Bucht vonMont-Saint-Michel wurde ein Radweg erschaffen, der die gesamte Bucht umfasst. Am ersten Tag radeln wir “links” herum über einen Deich und kleine Nebenstraßen.

Eine Windmühle lohnt einen ersten Stop – dort erfahren wir ein wenig von der Geschichte der Region. Der Deich “Digue de la Duchesse Anne” unseres Radweges trennt auf 21 Kilometern das Meer vom Land, das 4 m unter dem höchsten Gezeitenniveau liegt. Dieser “schwarze Sumpf” mit Wiesen und Pappeln wird von kleinen Bächen durchzogen. Im frühen 12. Jahrhundert befanden sich hier viele Bauernhöfe – doch nach dem Bruch des Deiches und einem Hurrikan im Jahr 1735 wurden 5 Orte total zerstört, darunter auch Cherrueix . Auf der Meeresseite schimmern Graswiesen und Sandboden, begrenzt von einem dunklen Strich in der Ferne – wir haben Niedrigwasser – kein Wasser in Sicht. Was mag nur diese schwarze Linie bedeuten? Weit draußen sehen wir Schiffe oder sind das Traktoren? – Wie schade, dass wir kein Fernglas haben, dann kämen wir dem Geheimnis auf die Spur.

Aber die Lösung naht: Denn nach ein paar Kilometern erreichen wir den kleinen Ort Vivier-sur-Mer und werden von Schiffen überholt! Das sind Amphibienfahrzeuge, die auf dicken Gummireifen an uns vorbei zu Hafengebäuden brausen.

Dort schauen wir es uns genauer an: Ein Aluminiumschiff auf Rädern mit einem Führerhaus und offener Ladefläche, auf der in quadratischen Kisten grobmaschige Netze liegen, die gefüllt sind mit Miesmuscheln. Die Kisten werden mit einem kleinen Kran entladen – und werden gewaschen, um Sand und Salz zu entfernen.
Fahnen flattern vor dem “Maison de la Baie du Mont-Saint-Michel”, in der eine kleine Ausstellung über die Muschel- und Austernzucht informiert.
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Wie Muscheln gezüchtet werden und was es mit den "Buchots" auf sich hat, erfahren wir hier: Die Geschichte führt den Ursprung der Buchots auf einen Iren zurück, der 1235 an der Küste Schiffbruch erlitt. Als einziger Überlebender dieses Unglücks setzte Patrick Walton bei Ebbe Netze aus, um Fische zu fangen. Er bemerkte, dass an den Pfählen, die die Netze trugen, Muscheln wuchsen. Er startete damit, Holzpfähle im Meeresboden zu rammen und hoffte, Muscheln zu ernten – die ersten Buchots waren geboren. Miesmuscheln an Holzpfählen - den “Buchots” - daher heißen die Miesmuscheln hier Moules de Bouchot. Im Jahr 1954 wurden auf Betreiben des Gemeinderats von Vivier-sur-Mer in der Bucht die ersten Versuche gestartet – und bis heute entwickelte sich daraus ein Erfolg. Dadurch, dass die Muscheln durch die Gezeiten mal unter Wasser und mal über Wasser sind, seien sie besonders aromatisch.
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Am Straßenrand von Vivier-sur-Mer kann man die Muscheln und Austern der Region gleich probieren – wir können diesen glänzenden schwarzen Meeresfrüchten natürlich auch nicht widerstehen, kaufen uns 1 kg Moules de Bouchot und auch gleich noch ein Dutzend Austern Nr. 2 und radeln schnell zum Wohnmobil – da wartet bestimmt eine Delikatesse auf uns.
Die Zubereitung der Muscheln ist ja einfach – ab in den Topf - ein bisschen Creme fraiche dazu – fertig. Das feine süßliche, orange-farbene Muschelfleisch zergeht auf der Zunge und hat absolut keine Ähnlichkeit mit den norddeutschen Miesmuscheln.
Wir sind keine Liebhaber von rohen Austern – wir mögen sie gern überbacken. So dämpfen wir sie, können sie leicht von der flachen Seite der Schale befreien, das sie sich ja öffnen – und träufeln eine Creme aus Sahne, Ei und Parmesan auf die kleinen Tierchen – überbacken sie 10 Minuten und schlemmen – phantastisch!
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Die Bucht von Mont-Saint-Michel ist ein ökologischer und wirtschaftlicher Schatz Frankreichs. Die Baie de MSM gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist Naturraum und Lebensgrundlage vieler Menschen, die hier leben.Die Muschelzucht hat sich auf die besondere Umgebung angepasst und die Anschaffung von Amphibienbooten, um sich vom Rhytmus der Gezeiten abzukoppeln und die Verlagerung der Pfähle für die Bouchots und Austerntische in Richtung Osten der Bucht, hat die Aufzucht optimiert.
Die Muschelzucht in Zahlen:
Die Gemeinden Vivier-sur-Mer und Cherrueix sind der größte Muchelzuchtkomplex Europas für Buchot-Muscheln, die aufgrund ihrer geschmacklichen Qualität 2011 die Appellation d'Ôrigine Protégée (AOP) erhielt.
Die durchschnittliche Muschelproduktion der 46 Unternehmen mit 248 km Bouchot-Linien und insgesamt 318.000 Pfählen beträgt rund 10 000 to.
Cancale ist seit dem 19.Jahrhundert eines der wichtigsten Zentren der Produktion von Austern: jährlich werden hier rund 3800 to Schalenaustern auf 290 Hektar erzeugt. Im Tiefwasserkommen noch etwa 900 to auf 946 ha an flachen Austern hinzu.
119 Muschelzuchtbetriebe schaffen rund 600 direkte Arbeitsplätze und repräsentieren einen Umsatz von rund 60 Millionen Euro.
Am folgenden Tag radeln wir von Cherrueix “rechts" herum. Der Deich – der bis zur Flußmündung des Couesnon bei Mont-Saint-Michel reicht – ist der “Digue des Polders”. Auf dem Deich geht es bis zur Chapelle Saint-Anne und dann ein paar Kilometer durch Felder, bevor wir einfach wieder umdrehen.

Das Gebiet im Norden von Cherrueix besteht aus Sand- und Kalksteinablagerungen und ist außergewöhnlich fruchtbar. Diese Polder wurden dem Meer in den Jahren 1851 bis 1934 abgerungen. Wegen des milden ozeanischen Klimas mit geringem Niederschlag entwickelte sich dieses Gebiet als hervorragender Ackergrund. Im Mittelalter waren Getreide die wichtigsten Nutzpflanzen. Die ersten Äpfelbäume wuden gepflanzt, es wurde Viehzucht betrieben. Im 18. Jahrhundert war die Qualität des Viehs so gut, dass einige Kühe in die Ställe von Versailles geliefert wurden.

Das Gebiet wird seitdem kontinuierlich landwirtschaftlich genutzt – auf älteren Poldern wachsen Hirse, Mais, Schalottten, Lauch und Kohl während auf den neueren Salat und Karotten wachsen. Seit Mitte des 19. Jahrhundert gibt es auch Spargel und in jüngster Zeit Knoblauch, der heute einen wichtigen Platz ein nimmt.





